Donnerstag, 15. Oktober 2026

Lehrer

Ich kann das ganze Gesabbel von Leuten mit ganz viel Meinung bei ganz wenig Wissen nicht mehr hören. 

Ich habe den Beruf mehrere Jahrzehnte  gemacht: Klassenleitungen, Klassenfahrten mit 24/5 oder 24/6-Dienst. Dazu die dämlichem Kommentare der Eltern: "Viel Spaß!" bei der Abfahrt, "Sie sehen ja echt fertig aus!" beim Abholen der Kinder. Wochenenden mit Stapeln von Korrekturen auf dem Schreibtisch bedeuten eben auch: Keine Erholung an Sonn- und Feiertagen. In den Herbstferien muss man Abiturklausuren aufsetzen, Kursarbeiten korrigieren und Vorabiklausuren mit angepassten Stundenreihen vorbereiten. In den Weihnachtsferien sitzt einem der Dämon der nicht fertigen Halbjahresnoten im Nacken: All das Zeug aus den Mittel- und Orientierungsstufenklassen korrigieren, das man bisher nicht geschafft hat.


Ich schildere jetzt ganz bewusst nicht das zweite Halbjahr - da gibt es auch noch ziemlich gefährliche Stromschnellen. Aber es gibt da auch noch Kinder mit Missbrauchserlebnissen, um die wir uns kümmern. Rassismus, den wir natürlich nicht unwidersprochen lassen dürfen. Es gibt Gewalt auf dem Schulhof, versiffte Toiletten für Schüler und Lehrer (*Innen gilt für beides). Es gibt Konferenzen am Nachmittag und Elternsprechstunden am Abend.

Arbeitsgemeinschaften werden selbstverständlich erwartet. Es gibt Eltern-Lehrer-Schülerinitiativen, um an der Schule Dinge zu verbessern, die der Schulträger nicht gebacken bekommt. Ich erinnere an "Schulen ans Netz" und hebe den Verein zur Neugestaltung unseres Schulhofs besonders lobend hervor. 


Es gibt Busaufsichten mit völlig frei drehenden Schülern, mit Schulbussen, die "verkehrssicher" zu bezeichnen nicht einmal euphemistisch zu nennen ist.


Und genau jetzt habe ich keine Lust mehr, das alles zu begründen. 


Rutscht mir den Buckel runter. Ich habe das Spiel mehr als drei Jahrzehnte gespielt, und ich habe verloren. Ich musste vorzeitig aus dem Dienst ausscheiden, weil ich es nicht mehr geschafft habe. Trotz hochprofessioneller Ausbildung, trotz Privilegien und tatsächlich sehr guter Bezahlung. Ich konnte nicht mehr und habe vor etwas mehr als einem Jahr das Handtuch geschmissen.


Wer glaubt, dies sei ein einfacher Job, der soll ihn machen. Wir brauchen Lehrer! Macht es!


Aber ihr habt keine Chance: Ihr werdet scheitern. Und nicht, wie ich, nach mehr als drei Jahrzehnten. Die Hälfte von euch Nörgeltrinen sehe ich nach spätestens zwei Jahren heulend auf dem Flur sitzen.


Ich habe mehr als 20 Jahre den Vertretungsplan an meiner Schule gewuppt. Ich habe viele KollegInnen scheitern sehen. Und die waren alle bestens präpariert und spitzenmäßig ausgebildet für diesen Beruf.


Und ihr Besserwisser glaubt, das sei einfach?


Beweist es!


Macht den Job, mindestens 30 Jahre lang. Oder schweigt!

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