Sonntag, 30. August 2026

Kopfhörer im Unterricht

Früher regierte in den Schulen ein strenges Regime. Wenn's zu laut wurde, gab es auch mal mit dem Lineal auf die Finger oder eine Backpfeife. Das habe ich selber noch erleben müssen und es hat mir jahrelang Albträume beschert. Heute ist das vernünftigerweise als Straftat definiert. Man schlägt keine Kinder. Punkt!

Mit der Zeit haben wir auch viel über individuelle Lernschwächen - nenne wir es doch lieber "Besonderheiten" - gelernt und verstehen endlich, dass nicht jedes menschliche Gehirn gleich funktioniert. Manche laufen auf high-speed. Das nennt man dann ADHS. Die Kinder verarbeiten Informationen so schnell, dass sie sich im "normalen" Unterricht (oder in einem "normalen" Gespräch) schnell zu Tode langweilen. Die meisten ADHS-Kinder sind eigentlich normal begabt, aber eben superschnell. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit neuer Informationen ist exorbitant, wenn auch die Verarbeitungstiefe oft zu wünschen übrig lässt. Normal, eigentlich. Der Eine kann dies gut, der Andere das.

Die oben skizzierte Lernbesonderheit hatte ich als Lehrer auch im Unterricht. Das Mädchen konnte sich einfach nicht konzentrieren, wenn zu viele ablenkende Geräusche auf sie einschlugen. Auch ich musste von den noise-cancelling-Kopfhörern erst überzeugt werden. Nein: eigentlich wurde ich per ärztlichem Attest dazu gezwungen. Außerdem gewährten wir dem Kind noch bei HÜ's und anderen Überprüfungen ein paar Prozent mehr Zeit. Fand ich zunächst merkwürdig, aber man ist ja lernfähig. Mit der Zeit spielte sich das Verfahren ein: Ich habe sogar immer, bei jeder Überprüfung, meinen Laptop mit einer extragroßen Uhr auf dem Lehrerpult gehabt, damit sie sich, da sie meine Stimme ja nicht hören konnte, visuell über die noch verbleibende Zeit informieren konnte. Und siehe da: Im Laufe von Monaten entwickelte sich die Schülerin von einer schwachen (4-)-Kandidatin langsam nach oben. Toll!

Fun-fact am Rande: Seit ich selber noise-cancelling-Kopfhörer besitze, kann ich den Gewinn an Konzentrationsfähigkeit selber nachvollziehen. Wenn ich meine Tageszeitung, das aktuelle Buch oder meine geliebte "Spektrum der Wissenschaft" im Restaurant oder im Biergarten lesen will, stören mich allzu laute Gespräche am Nachbartisch. Dann also Stöpsel in die Ohren und Ruhe! Wunderbar. Ich höre dann keine Musik, ich nutze nur die Geräuschunterdrückung.

Und jetzt komme ich auf den ersten Absatz zurück: Früher hat man Klassen in der Schule ruhig geprügelt. Die Kinder saßen mit gefalteten Händen an ihren Tischen und wagten es nicht, sich zu mucksen. Deshalb waren Kopfhörer nicht notwendig.

Aber wollen wir wirklich eine solche Prügelpeitsch-Pädagogik? 

Dienstag, 25. August 2026

Megan, Alexandra und Giulia

Megan Rapinoe, Alexandra Popp und Giulia Gwinn sind die drei Fußball-Göttinnen, die mir überhaupt erst gezeigt haben, mit was für einem anmutigen und schönen Sport wir es hier zu tun haben. Ich danke euch von ganzem Herzen dafür.

Sveindís Jónsdóttir und Jule Brand sollen auch nicht unerwähnt bleiben. 

Und alle anderen tollen Spielerinnen, die es auf der Welt gibt. Alle! Sogar die jungen Frauen vom FFC Niederkirchen finde ich großartig!

Ich tauche doch gerade erst ein in diese Welt. Und ich bin geradezu verzaubert!

Sonntag, 9. August 2026

Das ist nicht gut.

Das kann nicht gut sein!
Der Rhein ist meine ursprüngliche Heimat. Ich kenne dieses Fluß seit mehr als sechs Jahrzehnten und ich fühle mich heimatlos, wenn ich woanders leben muss. Da wo der Rhein mit einem kurzen Ausflug erreichbar ist, bin ich Zuhause.

Ich habe an anderer Stelle bereits geschrieben, dass ich den Rhein am Geruch erkennen kann.  Die Luft wird etwas kühler, feuchter und leicht moderig, wenn man sich ihm nähert. Vor Kurzem habe ich ihn noch einmal besucht. Zwischen Bingen und Kaub. 

Dabei habe ich gelernt, dass ich auch noch zwei besondere Zustände am Geruch erkennen kann:

Wenn es zusätzlich zu dem oben beschriebenen auch noch ein Wenig nach faulen Eiern (Schwefelwasserstoff) riecht, dann wurden kleine Seitenarme oder Kolke von der Frischwasserzufuhr abgeschnitten. Das Wasser hat sich erwärmt und durch die sich anreichernden Nährstoffe in dem immer weiter verdunstenden Restwasser hat eine Algenblüte eingesetzt, deren Stoffwechselendprodukte alles höhere Leben absterben lassen. Sauerstoff gibt es in diesem Wasser auch nicht mehr.

Riecht der Moder jedoch eher trocken, dringt einem Staub in die Augen und knirscht zwischen den Zähnen, dann liegen größere Flachwasserbereiche schon seit längerer Zeit trocken. Da leben jetzt nicht mal mehr Algen oder Bakterien.

Von den hydrologischen oder toxikologischen Konsequenzen für die mit dem Rhein kommunizierenden Trinkwasseraquifere will ich gar nicht erst anfangen. Oder von den wirtschaftlichen Folgen der sinkenden Transportkapazitäten. Oder von den ökologischen Folgen für die Tiere im Rhein.

Ich weiß das alles, und zwar seit Jahrzehnten. Ich behaupte nicht rechthaberisch: "Ich hab's euch ja gesagt." - obwohl ich genau das getan habe. Ich bin nur erschrocken darüber, dass ich mit meinen Prognosen so präzise und detailliert richtig gelegen habe, außer mit dem Zeitansatz: Es geht alles viel schneller. Ich hatte mir so gewünscht, dass ich mich irre.

Es hat apokalyptisch ausgesehen, das kann sich kein Roland Emmerich ausdenken. Und es hat gestunken. Ich hatte immer gehofft, dass ich schon tot bin, wenn das passiert. Meine Welt stirbt. Und ich muss dabei zuschauen.