Samstag, 20. Juni 2026

Nachrichten aus dem ICE

Der ursprüngliche Plan
Der Kontext: Im Sommer 2026 fuhr ich mit dem Zug nach Berlin, unter Anderem um ich eine befreundete Familie zu besuchen. ER spielte um 19.00 Uhr in einem Theaterstück, das ich mir gerne angesehen hätte.

ER (9.38): Wir können dich auch vom Hotel abholen.

ICH (10.15): Schwierig: ich sitze noch nicht im ICE, und der hat schon zwei Stunden Verspätung. Ob ich den reservierten Sitzplatz bekomme, ist auch ungewiss, denn es wird ein anderes (kleineres) Fahrzeug kommen als geplant. Stand jetzt: Ankunft 18.10 Berlin Hbf. Ich halte euch auf dem Laufenden, sobald ich mehr weiß.

ER (10.31): Wir können dich auch vom Hbf abholen. Du hältst uns auf dem Laufenden.

ICH (11.10): Die DB-App redet z. Zt. wirres Zeug. Ich melde mich wieder, wenn ich im ICE sitze.

ICH (13.18): Ich sitze jetzt in einem 30 Min. verspäteten ICE, der trotzdem 17.36 im HBF einlaufen soll. Wenn ihr Lust, Zeit und ein Auto habt, wäre eine Abholung natürlich angenehm, ich kann aber genauso auch ein  Taxi nehmen.

ER (13.20): Klasse wir holen dich ab! Sag welches Gleis.

ICH (13.23): Angeblich Gleis 3. Aber das ist die Deutsch Bahn! Die bringen ohne rot zu werden Dinger, für die sich ein Japanischer Lokführer unaufgefordert einem Seppuku unterziehen würde.

ICH: (14.17): Aktuelle Prognose: 17.58 Uhr. Wer sagt‘s denn…

ICH (14.32): Und es geht weiter: Kaputte Weiche! Wir stehen.

ICH (15.03): Wir stehen immer noch. Die Weichentechniker müssen wohl erst herbeigeschafft werde. Hoffentlich fahren die nicht mit dem Zug….

ICH (15.10): Plan „B“ wird gerade erklärt, denn die Weiche ist nicht zu reparieren: Der Lockführer wechselt in den hinteren Führerstand und fährt fünf Kilometer zurück. Daselbst wechseln wir auf das parallele Gleis und versuchen es erneut. 

Hoffentlich verfahren wir uns nicht. 

Ironischerweise wurden wir eben von einem anderen ICE überholt.

Das mit dem Abholen können wir, glaube ich, vergessen, denn sonst verpasst du heute das Theaterstück. Und da wolltest du doch unbedingt hin.

ICH (15.17): Ein weiterer ICE überholt gerade, wir stehen immer noch. Vermutlich ist der Lokführer nicht so gut zu Fuß.

ICH (15.20): Die Auflösung kommt über Lautsprecher: Hinter uns steht noch ein Regionalexpress. Der kann sich natürlich nicht in Luft auflösen und muss ebenfalls zurücksetzen.

ICH (15.21): Noch ein ICE fährt vorbei…

ICH (15.31): Die Zugführerin dreht gerade völlig ab: Die Weiche hinter uns ist auch defekt. Sie musste noch leicht irre kichern, bevor sie das Mikro ausgeschaltet hat.

ER (15.39, Sprachnachricht): Das Tagebuch des Adolf Kluth im ICE!

ICH (15.40): Bin im Ruheabteil. Hier kann ich keine Sprachnachricht abhören.

ICH (15.49): Der Lokführer ist gerade ausgestiegen. Offenbar hat er die Nase voll.

ICH: (16.14): Angeblich konnte die Weiche nun doch noch irgendwie hingedengelt werden Wir warten jetzt noch auf die neuen Streckenpläne und die Freigabe. Und dann kann’s schon losgehen. Bis zur nächsten Panne.

ICH (16.18): Die Bahn: Und sie bewegt sich doch… Augenblick mal… Wo ist eigentlich der Lokführer?

ICH (16.20): Neue Prognose: 19.28 Uhr.

Ich geh’ dann direkt ins Hotel und hoffe auf die Sonntagsvorstellung. Oder ich freue mich einfach auf einen Kaffee mit euch.

ER (17.28): Alles klar mein Guter, dann frühstücken wir morgen um 10:00 in der neuen Liebe! Morgen Abend die Vorstellung findet statt.

Angekommen bin ich dann ziemlich genau um 20.00 Uhr.

Montag, 1. Juni 2026

BAFÖG

Ich war während des Studiums gezwungen, nebenbei zu arbeiten. Nicht für den Sommerurlaub oder Konsum, sondern um den Kühlschrank zu füllen, Bücher und Kleidung zu kaufen, Fahrkarte für den Weg zur Uni und, und, und. Dadurch war mein Studium ineffizient und hat lange gedauert. Für den Staat hatte das den Nachteil, dass die kostspielige Universitätsausbildung, die er in mich investiert hat, der Gesellschaft erst viel später und weniger lange zur Verfügung stand. 

Ich spüre die Folgen noch heute: Mir fehlen einfach Beitragsjahre für eine vollständige Pension. 
BAFÖG ist kein Luxus, sondern in einem rohstoffarmen Land eine absolute Notwendigkeit. Bildung ist der einzige Rohstoff, den wir haben.

Kinder aus nicht-Akademiker-Haushalten haben ohnehin schon einen schwierigeren Start: Die Eltern können sie in der Schule nicht so gut unterstützen, wie das Akademiker können. Ein geringeres Einkommen erschwert den Start zusätzlich: Nachhilfe ist oft unbezahlbar, vielleicht auch ein eigenes Zimmer, in dem man ungestört lernen kann. Der Bücherschrank ist nicht so gut bestückt, man bekommt einfach von den Eltern weniger Input, der die geistige Entwicklung fördern würde. Solche Kinder sind also ohnehin schon benachteiligt. Ihnen ein zusätzliches Handicap aufzuerlegen, indem sie sich während des Studiums die Nächte als Taxifahrer um die Ohren schlagen müssen (anstatt zu schlafen) oder in den Semesterferien in Fabriken zu arbeiten (anstatt sich zu erholen oder anstatt in dieser Zeit ein zusätzliches Praktikum zu absolvieren) ist umgekehrter Klassenkampf: Die, die ohnehin schon viel haben, treten auf die, die einen schweren Start haben und wenig besitzen. BAFÖG für alle Bedürftigen würde einen Bruchteil von dem kosten, was durch Ausnahmen bei der Erbschaftssteuer und Steuertricksereien der Superreichen verloren geht. Ich wünsche mir für Frau Bär, dass sie einmal in ihrem Leben drei Monate lang in einem stahlverarbeitenden Betrieb arbeitet. An einer Stanze, mit der Löcher in LKW-Felgen gestanzt werden. Im Gruppenakkord und in Wechselschicht. Dann versteht sie vielleicht, dass nebenbei zu arbeiten während des Studiums kein Kindergeburtstag ist.

Samstag, 25. April 2026

HaPe

Genau dieser Auftritt ist meine Lieblingsnummer. Das war Comedy-Impro im Grenzbereich zur Lebensgefahr und hätte durchaus in Auge gehen können. Er war noch nicht so bekannt, dass er sich darauf verlassen konnte, dass ihn jeder der Polizisten auch erkennt. Und er hat es trotzdem durchgezogen und immer noch einen draufgesetzt! Ich bin fast gestorben vor Lachen.