Das kann nicht gut sein!
Der Rhein ist meine ursprüngliche Heimat. Ich kenne dieses Fluß seit mehr als sechs Jahrzehnten und ich fühle mich heimatlos, wenn ich woanders leben muss. Da wo der Rhein mit einem kurzen Ausflug erreichbar ist, bin ich Zuhause.
Ich habe an anderer Stelle bereits geschrieben, dass ich den Rhein am Geruch erkennen kann. Die Luft wird etwas kühler, feuchter und leicht moderig, wenn man sich ihm nähert. Vor Kurzem habe ich ihn noch einmal besucht. Zwischen Bingen und Kaub.
Dabei habe ich gelernt, dass ich auch noch zwei besondere Zustände am Geruch erkennen kann:
Wenn es zusätzlich zu dem oben beschriebenen auch noch ein Wenig nach faulen Eiern (Schwefelwasserstoff) riecht, dann wurden kleine Seitenarme oder Kolke von der Frischwasserzufuhr abgeschnitten. Das Wasser hat sich erwärmt und durch die sich anreichernden Nährstoffe in dem immer weiter verdunstenden Restwasser hat eine Algenblüte eingesetzt, deren Stoffwechselendprodukte alles höhere Leben absterben lassen. Sauerstoff gibt es in diesem Wasser auch nicht mehr.
Riecht der Moder jedoch eher trocken, dringt einem Staub in die Augen und knirscht zwischen den Zähnen, dann liegen größere Flachwasserbereiche schon seit längerer Zeit trocken. Da leben jetzt nicht mal mehr Algen oder Bakterien.
Von den hydrologischen oder toxikologischen Konsequenzen für die mit dem Rhein kommunizierenden Trinkwasseraquifere will ich gar nicht erst anfangen. Oder von den wirtschaftlichen Folgen der sinkenden Transportkapazitäten. Oder von den ökologischen Folgen für die Tiere im Rhein.
Ich weiß das alles, und zwar seit Jahrzehnten. Ich behaupte nicht rechthaberisch: "Ich hab's euch ja gesagt." - obwohl ich genau das getan habe. Ich bin nur erschrocken darüber, dass ich mit meinen Prognosen so präzise und detailliert richtig gelegen habe, außer mit dem Zeitansatz: Es geht alles viel schneller. Ich hatte mir so gewünscht, dass ich mich irre.
Es hat apokalyptisch ausgesehen, das kann sich kein Roland Emmerich ausdenken. Und es hat gestunken. Ich hatte immer gehofft, dass ich schon tot bin, wenn das passiert. Meine Welt stirbt. Und ich muss dabei zuschauen.

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