Ich war während des Studiums gezwungen, nebenbei zu arbeiten. Nicht für den Sommerurlaub oder Konsum, sondern um den Kühlschrank zu füllen, Bücher und Kleidung zu kaufen, Fahrkarte für den Weg zur Uni und, und, und. Dadurch war mein Studium ineffizient und hat lange gedauert. Für den Staat hatte das den Nachteil, dass die kostspielige Universitätsausbildung, die er in mich investiert hat, der Gesellschaft erst viel später und weniger lange zur Verfügung stand.
Ich spüre die Folgen noch heute: Mir fehlen einfach Beitragsjahre für eine vollständige Pension.
BAFÖG ist kein Luxus, sondern in einem rohstoffarmen Land eine absolute Notwendigkeit. Bildung ist der einzige Rohstoff, den wir haben.
Kinder aus nicht-Akademiker-Haushalten haben ohnehin schon einen schwierigeren Start: Die Eltern können sie in der Schule nicht so gut unterstützen, wie das Akademiker können. Ein geringeres Einkommen erschwert den Start zusätzlich: Nachhilfe ist oft unbezahlbar, vielleicht auch ein eigenes Zimmer, in dem man ungestört lernen kann. Der Bücherschrank ist nicht so gut bestückt, man bekommt einfach von den Eltern weniger Input, der die geistige Entwicklung fördern würde. Solche Kinder sind also ohnehin schon benachteiligt. Ihnen ein zusätzliches Handicap aufzuerlegen, indem sie sich während des Studiums die Nächte als Taxifahrer um die Ohren schlagen müssen (anstatt zu schlafen) oder in den Semesterferien in Fabriken zu arbeiten (anstatt sich zu erholen oder anstatt in dieser Zeit ein zusätzliches Praktikum zu absolvieren) ist umgekehrter Klassenkampf: Die, die ohnehin schon viel haben, treten auf die, die einen schweren Start haben und wenig besitzen. BAFÖG für alle Bedürftigen würde einen Bruchteil von dem kosten, was durch Ausnahmen bei der Erbschaftssteuer und Steuertricksereien der Superreichen verloren geht. Ich wünsche mir für Frau Bär, dass sie einmal in ihrem Leben drei Monate lang in einem stahlverarbeitenden Betrieb arbeitet. An einer Stanze, mit der Löcher in LKW-Felgen gestanzt werden. Im Gruppenakkord und in Wechselschicht. Dann versteht sie vielleicht, dass nebenbei zu arbeiten während des Studiums kein Kindergeburtstag ist.

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